Budenheim.
– „Das war eine richtig schlimme erste Halbzeit in Essen für uns!“, sagte Sportfreunde-Trainer Kai Schiebeler nach dem Spiel. „Dabei waren wir eigentlich gut vorbereitet.“ Die zum Teil kurzfristigen Absagen der Akteure Phillip Patrzalek, Maximilian Sieder, Cornelius Marhöfer und Frederik Conrad hatten dann aber am Abend vor dem immens wichtigen Auswärtsspiel für Aufregung beim Budenheimer Trainerduo Schiebeler und Fabian Vollmar gesorgt. Sie nominierten kurzerhand Lennard Cordes aus der C-Jugend-Regionalligamannschaft nach, um die Personalnot ein wenig zu lindern.
TuSEM Essen (8:6 Punkte, Rang 3) stand vor dem Spiel mit dem Rücken zur Wand. Bei einer Heimspiel-Niederlage gegen die Sportfreunde Budenheim (8:4 Punkte, Rang 2) hätten sie die Hoffnungen auf Meisterrunden-Platz 2 und damit das Erreichen des Viertelfinales der Deutschen U17-Meisterschaft bereits begraben können. Essen musste gewinnen, und für beide Teams ging es zusätzlich darum, sich eine möglichst gute Ausgangslage für das entscheidende Rückspiel am 11. April zu verschaffen.
14 Zeitstrafen in 20 Minuten
So versuchten die Nordrhein-Westfalen von Beginn an, dem Spiel in der eigenen Halle ihren Stempel aufzudrücken. Und das mit Erfolg, denn sie dominierten die Anfangsphase, wobei die Budenheimer Gastmannschaft bis zum 11:13 (23. Minute) zumindest in Schlagdistanz bleiben konnte. Kurz zuvor hatten die Schiedsrichter Henri Schleif allerdings bereits zum zweiten Mal auf die Strafbank geschickt – das war eine schwere Hypothek für Restspielzeit, denn eine weitere Zwei-Minuten-Strafe gegen ihren Abwehrchef würde gleichzeitig „Rot“ bedeuten. Bei den Sportfreunden lagen die Nerven anschließend blank: Max Hessinger handelte sich eine unnötige Mecker-Zeitstrafe ein, und Essen nutzte die Gunst der Stunde, um sich über 11:15 (24. Minute) bis zur Halbzeitpause auf 14:20 abzusetzen. Ein Debakel drohte.
In seiner lautstarken Halbzeitansprache übernahm es Budenheims Trainer Fabian Vollmar, seine Spieler wachzurütteln. Denn es ging ums große Ganze, und nicht nur darum, die sich abzeichnende Niederlage zu verhindern. Der Hallo-Wach-Effekt trat nach Wiederanpfiff tatsächlich ein: Durch Tore von Henri Schleif, Max Hessinger und Alvar Matsuura konnten die Gäste bis zur 37. Minute auf 19:22 verkürzen. Doch der TuSEM antwortete direkt seinerseits mit einem Drei-Tore-Lauf und stellte beim 19:25 (40.) den alten Abstand wieder her. Zusätzlich befeuert von den Zuschauern entwickelte sich anschließend ein wilder Schlagabtausch auf der Platte, dem die Schiedsrichter mit fast im Minutentakt verhängten Zeitstrafen Herr zu werden versuchten: Alleine 14 (!) Hinausstellungen gab es in Halbzeit zwei, und die allesamt nach der 40. Minute. Mit dem Chaos kamen die Gastgeber zunächst besser zurecht: Bis zur 46. Minute baute TuSEM Essen seinen Vorsprung auf acht Tore zum 23:31 aus – das Viertelfinale war für die Sportfreunde in diesem Moment in weite Ferne gerückt.
Doch Budenheim hatte noch nicht aufgegeben und startete eine furiose Aufholjagd. Nur fünf Minuten später war die Partie beim Spielstand von 30:32 (51.) plötzlich wieder offen. Dann allerdings fielen zunächst Felix Kessel und nur wenige Sekunden später Henri Schleif dem Zwei-Minuten-Hagel zum Opfer, was für Schleif das vorzeitige Spielende bedeutete. Essen nutzte die Gelegenheit, um sich bis zur 59. Minute auf 36:40 abzusetzen – und damit dieses Spiel für sich zu entscheiden.
Die letzten 60 Sekunden dieser verrückten Begegnung gehörten wiederum den Budenheimern: Zunächst schloss der jungen Linksaußen Tobias Stutzmann eine schön herausgespielte Aktion kaltschnäuzig ab, anschließend verlor Essen den Ball und die Sportfreunde bekamen einen letzten Siebenmeter zugesprochen. Diesen verwandelte Ole Schiebeler bereits nach der Schlusssirene sicher zum Endstand von 38:40. „Dieses Spiel war ein unglaubliches Auf- und Ab, am Ende aber trotz der Niederlage mit einem guten Resultat für uns“, so Kai Schieler abschließend: „Denn dieses knappe Hinspielergebnis lässt sich auf jeden Fall im Rückspiel in unserer ‚Grünen Hölle‘ noch umbiegen. Unser Traum vom Viertelfinale lebt!“
Bayer Dormagen kommt
Doch bevor es am 11. April in der Budenheimer Waldsporthalle zum Showdown im Rückspiel gegen den TuSEM Essen kommen wird, steht an diesem Samstag (5. April) zunächst das erste Heimspiel der Sportfreunde-Mannschaft in der Meisterrunde gegen Tabellenführer TSV Bayer Dormagen an, der bereits sicher für das Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft qualifiziert ist. Auch für Budenheim ist das Spiel zwar sportlich attraktiv, aber deutlich weniger relevant als das in der darauffolgenden Woche gegen Essen.
Daher dürfen sich die Zuschauer am Samstag gegen Dormagen auf eine hochklassige Partie freuen, in der beide Top-Teams befreit aufspielen können. Anpfiff ist um 17:30 Uhr in der Budenheimer Waldsporthalle. Da anschließend die Regionalliga-Herren-1 der Sportfreunde gegen den TuS KL-Dansenberg spielen, lohnt sich ein Tagesticket. Zuschauer in blauen Sportfreunde-Farben bekommen ermäßigten Eintritt.
Für Budenheim spielten und trafen: Paul Kohlmaier, Alexander Estevan – Max Hessinger (9/1), Henri Schleif (7), Alvar Matsuura (6), Felix Kessel (5), Ole Schiebeler (5/2), Timo Schorr (4), Tobias Stutzmann (2), Marius Lupp, Henry Schön, Luca Roll, Lennard Cordes.
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